Die heutige Art der Politik ist überholt, nicht mehr zeitgemäß. Im Infozeitalter, wo jeder, der will, sich informieren kann, ist die Einbindung der Bevölkerung ein MUSS. Die Tagespolitik und besonders die Langzeitpolitik kann man nicht ein paar Parteien überlassen, welche sich profilieren wollen, aber die Bevölkerung muss es bezahlen.
In der Zeitschrift "Die Woche" vom 23.06.1994 konnte man einen Vergleich der Wahlprogramme von Bündnis '90 / DIE GRÜNEN, SPD und CDU mit überraschendem Ergebnis lesen: Bündnis '90 / DIE GRÜNEN und SPD haben für die Innenpolitik Volksinitiativen, Volksbegehren und Volksentscheid in ihr Programm aufgenommen, wobei sie allerdings nicht klarstellen, ob nur auf Landes- oder auch auf Bundesebene. Die CDU taktierte in ihrer Angst vor dem Volk schlechter oder ist einfach nur ehrlicher, denn sie hält klar fest: "Kein Volksentscheid auf Bundesebene!"
Hier stellt sich doch die natürliche Frage:
"Warum haben die drei Parteien, die aussagegemäß alle für einen Volksentscheid zumindest auf Landesebene sind, diesen nicht 1994 schon längst überall auf Landesebene, wo er noch nicht festgeschrieben ist/war, eingeführt, obwohl sie in allen Bundesländern allein oder zu zweit die Regierung bilden?"
Sollte für Bündnis '90 / DIE GRÜNEN und SPD sogar der Volksentscheid auf Bundesebene keine wahlkampftaktische Phrase, sondern ernster politischer Wille sein, stellt sich hier wiederum die Frage, warum sie noch keinen Antrag dafür eingebracht haben.
Dieser Unterschied zwischen Reden und Handeln der etablierten Politiker ist einer der Gründe, warum sich die Bevölkerung immer wieder getäuscht fühlt.
Vor jeder Wahl wird Besserung gelobt, Hoffnung genährt und Einsicht gezeigt, um die Wählerinnen und Wähler wieder zu täuschen und nach der Wahl wie vorher fortgefahren.
Dass die Alt-Parteien vor den Wahlen viel versprechen, ist nichts Neues. Dass sie nach den Wahlen fast nichts davon halten und damit zum Ausdruck bringen, für wie dumm sie die Bevölkerung halten, ist auch nichts Neues.
Etwas ganz Neues aber ist es, dass die Bürgerschaft mittlerweile die Wahllügen nicht mehr glaubt und das miese Spiel durchschaut, womit die Politiker ihrerseits nicht umgehen können, wie man an den verschiedenen Reaktionen sieht.
Nur macht die Bürgerschaft den Fehler nicht mehr wählen zu gehen, statt zu gehen und den Stimmzettel ungültig mit Durchstreichen zu machen, damit klar ersichtlich wird, ihrem Wahl- Recht kommt die Bürgerschaft nach, sie geht hin, hält aber keinen für wählbar.
Das würde die Parteien evtl. anspornen, realistische Programme aufzulegen, welche dem Bevölkerungswohl entsprechen und nicht dem parteipolitischen Wunschdenken.
Natürlich ist es auch nicht zu schaffen, dass es allen recht gemacht wird.
Aber es sollte zu schaffen sein, dass Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Fairness und Zivilcourage über die heutigen Probleme, über Amtswillkür, Amtsmissbrauch, Korruption, Steuergeldbetrug und -verschwendung, Wahllügen usw. siegen, dann sind wir dem demokratischen, freiheitlichen Sozialstaat, in dem die Bürgerinnen und Bürger welche den Staat bezahlen, die wesentlichen Entscheidungen mitbestimmen, ein gutes Stück näher gekommen.
Die etablierten Parteien und "ihre" Politiker haben sich mit ihrer Struktur die Demokratie zu ihrem Spielplatz und den Staat zur Beute gemacht. Abweichler aus den eigenen Reihen werden unter anderem durch Fraktionszwang, Parteiabsprachen und Parteizwänge in einer Art Kadavergehorsam von einem freiheitlichen, demokratischen Wirken abgehalten oder kaltgestellt.
Sehen wir doch einmal viele Spitzenpolitiker/innen, wie sie heute sind. Sagen sie ihre eigene Meinung und Überzeugung mit ihren Worten?
Sind es die Persönlichkeiten und die moralisch und ethisch gefestigten Personen, die sie den Bürgerinnen und Bürgern vorzuspielen versuchen?
NEIN! Sie sagen das, was die Parteien (Koalitionen), Führungslobbyisten und ihre Medienberater ausgekungelt haben und denBürgerinnen und Bürgern mitteilen wollen. Sie verschweigen oft Erkenntnisse und Zusammenhänge und lassen zu guter Letzt ihre Argumente von professionellen Redenschreibern formulieren, damit psychologisch bis ins kleinste vorbereitet ist, dass der Bürgerschaft auch der größte Unsinn glaubhaft erzählt werden kann.
Dazu lassen sie sich Frisuren, Brillen, Kleidung etc. von Medienberatern und Werbeagenturen aussuchen, damit sie einen Typ darstellen, der Vertrauen, Ehrlichkeit, Kompetenz und ähnliche Attribute ausstrahlt, was psychologisch bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommen soll.
Dadurch sind sie nicht mehr sie selbst, sondern spielen unter Aufgabe ihrer Persönlichkeit lediglich eine Rolle. Warum hat man wohl so oft den Eindruck, dass man es mit farblosen Politclowns zu tun hat?
Wer kann guten Gewissens und voll hinter einer Tätigkeit stehen, wenn er eine Rolle spielen muss und dabei Persönlichkeit und Gewissen für Partei, Position, Macht und Pfründe aufgegeben hat?
Dieses einstudierte Rollenverhalten der Führungsspitzen findet man heute nicht nur in der Politik vor, sondern auch in Verbänden und Vereinigungen anderer Natur, wo kleine Kreise Interesse haben die Macht zu behalten.
Nehmen wir beispielsweise den Bereich der Arbeit.
In den meisten größeren Betrieben fällt kein Arbeitgeber zusammen mit der Belegschaft in einer offenen, zukunftsorientierten und den Arbeitsplatz erhaltenden und schaffenden Weise Entscheidungen, wobei die zuständige Gewerkschaft die Aufsicht führt, damit die Belegschaft nicht durch juristisch undurchschaubare Formulierungen benachteiligt wird.
Es scheint viel eher, dass die Gewerkschaftsführer/innen hinter dem Rücken ihrer Mitglieder mit den Führenden der Arbeitgeberverbände kungeln.
Nachteilig für die arbeitenden Bürgerinnen und Bürger wirkt sich dabei aus:
· Es wird zumeist nach dem Gießkannen-Prinzip verfahren; aber was für einen Betrieb gut sein mag, kann für den anderen durchaus schädlich sein.
· Das Interesse der Verbände, die ausschließlich von den Beiträgen ihrer Mitglieder und teilweise sogar von Staatszuwendungen (sprich: Steuergeldern) existieren können, ist mehr auf ihre eigene Erhaltung konzentriert als darauf, das realistisch Mögliche und Beste für ihre Mitglieder herauszuholen. Obendrein genehmigen deren "OBERE" sich selbst fette Gehälter, Übergangsgelder und Pensionen von den Mitgliederbeiträgen, ohne dass die Mitglieder über ein Einspruchsrecht verfügen.
Nicht umsonst sind in den letzten Jahren allseits immer mehr Mitglieder der Gewerkschaften, wegen der vielen unverständlichen Handlungsweisen ihrer Führung ausgetreten.
Überwiegend wurden alle Parteien, Verbände und sonstige Vereinigungen irgendwann einmal aus gebotenen Gründen und unter vernünftigen Gesichtspunkten gegründet. Da sie aber keine wirksamen Schutzmöglichkeiten für ihre Mitglieder eingerichtet haben, sind sie heute in der Mehrzahl zu einem Monstrum geworden, dessen vordergründiger Selbstzweck es ist, die Pfründe der "OBEREN" auf Kosten und zu Lasten der Gemeinschaft und der Mitglieder zu sichern.
Gegensätzlich denkende "OBERE" von verschiedenen Verbänden und Vereinigungen geben lieber der Gegenseite nach, als die eigenen Einkünfte und ihre Machtstellung zu gefährden.
Die eigentlichen Ideale und der Sinn der Vereinigung bleiben dabei auf der Strecke.
Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände haben durch ihre traditionelle Taktik in den vergangenen Jahren folgendes Bild entstehen lassen, von dem man weiß, dass es stets gleich bleibt:
Zuerst werden von der einen Seite unter Androhung von Konsequenzen unrealistische Forderungen gestellt, dabei gleichzeitig aber aufgezeigt, was mittels Blick durch eine rosarot gefärbte Brille machbar ist; sodann wird von der anderen Seite ein gleichfalls unrealistisches Gegenangebot mit extremer Schwarzmalerei unterbreitet, um sich schließlich nach langem Hin und Her im unteren Drittel zu treffen.
Die Dummen bei dieser Art von Machtspielerei sind immer die arbeitenden Bürgerinnen und Bürger.
Nachdem sie sich um Streik, Lohnausfälle oder Kündigung bzw. Arbeitsplatzvernichtung Sorgen machen mussten, können sie nachher froh sein, wenn schließlich eine "Lohnanpassung" vereinbart wurde, die jedoch nicht einmal die Inflationsrate abdeckt oder die Preiserhöhungen auffängt, die auf Grund eben dieser Lohnverhandlungen stattgefunden haben.
Fazit: Geschacher und partei- bzw. verbandsinterne Machtkämpfe scheinen auf allen Ebenen Vorrang vor den Interessen der jeweiligen Basis zu haben und vor keinem noch so wichtigen Punkt Halt zu machen.
Unter den Parteien und deren Politikern wird beispielsweise, um so unabhängige und verantwortungsvolle und hohe Ämter, wie das Richter- und Bundespräsidentenamt gezankt, wobei sogar damals (1994), der oberste unabhängiger Verfassungsrichter Herzog, dieses unwürdige Spiel mitmachte.
Er trat von seinem Amt, was absolute Neutralität und Unabhängigkeit erfordert, nicht zurück, obwohl er für seine Wahl zum Bundespräsidenten sich dem Wohl und Wehe der Parteien unterwerfen musste.
Wenn die über die Situationen empörte Bürgerschaft zu Vorgenanntem noch ihre eigenen Erkenntnisse und weitere, hier noch nicht angesprochene Punkte vorträgt, die gesammelten Ergebnisse sodann aufbereitet werden, müssen auch Konsequenzen daraus gezogen werden. Allerdings glaube ich nicht, dass diese von den etablierten Parteien vorgenommen werden.
Es gibt doch heute schon fast keinen Bereich der staatlichen Behörden und Verwaltungen, der ohne Skandale auskommt. Fast immer sind Mitglieder der etablierten Parteien in irgendeiner Art beteiligt, doch Sanktionen erfolgen in der Regel nie.
Ihre eigene Basis blocken die Parteioberen auf Grund der innerlichen Strukturen der Parteien ab; insbesondere den Nachwuchs, der mit dieser Art der Selbstbedienung und Ungerechtigkeiten nicht übereinstimmt. Man will halt unter sich sein.
Um Änderungen in diesem maroden System von Filz und Kungelei mit hohen Aussichten auf Erfolg durchsetzen zu können, ist die Gründung einer neuen Vereinigung/Bürgerpartei, welche die Bürgerschaft vertritt dringend notwendig.
Denn allein die zahlreiche Gemeinschaft -der mit den heute vorherrschenden Verhältnissen Unzufriedenen- birgt eine Kraft in sich, die für den Fall einer Stimmenmehrheit in der Lage ist, dem ein Ende zu bereiten und dem Begriff "Demokratie" (grch.: demos = Volk + kratein = herrschen) endlich zu seiner eigentlichen Würde zu verhelfen.
Gott hat uns alle als freie Menschen erschaffen.
Es kann nicht seinem Willen entsprechen, dass wir von Parteien beherrscht
und nach deren Gutdünken entrechtet werden.
Ich denke nun einfach mal weiter, wie ein realistisches fortführende politisches Programm aussehen könnte, welches das Leben wieder humaner und lebenswerter machen kann. Wobei ich auch viele der schon damaligen Gedanken (1994) übernehme werde, da sie die Gültigkeit nicht verloren haben.